Obergärig

Der Begriff obergärig beschreibt eine traditionelle Brauweise, bei der Hefe bei Temperaturen von 15 °C bis 20 °C arbeitet. Im Gegensatz zur untergärigen Gärung steigt die Hefe während des Gärprozesses nach oben, bildet eine schwimmende Schicht (Geest) und lässt sich leicht abschöpfen. Diese Gärform gehört zu den ältesten der Bierherstellung, da sie keine Kühlung erfordert.

Was bedeutet obergärig beim Bier?

Die obergärige Gärung ermöglicht eine schnelle, unkomplizierte Produktion. Innerhalb von 4 bis 6 Tagen verwandelt die Hefe den im Malz enthaltenen Zucker in Alkohol und Kohlensäure. Dabei entstehen fruchtige Aromen, die das Aroma vieler Biere stark prägen. Die höhere Temperatur begünstigt außerdem die Bildung von Estern, die für Bananen-, Apfel- oder Nelkennoten sorgen.

Historisch gesehen waren obergärige Biere die Regel. Erst mit der Erfindung der Kältemaschine setzten sich auch untergärige Sorten durch. Heute erfreuen sich obergärige Biere – vor allem im Craft-Bier-Bereich – wieder wachsender Beliebtheit.

Eigenschaften obergäriger Hefe

Obergärige Hefestämme (z. B. Saccharomyces cerevisiae) sind robust, gären schnell und produzieren vergleichsweise viel Alkohol. Sie eignen sich für kreative Bierstile, bei denen Geschmack und Aromatik im Vordergrund stehen. Die Hefe bildet Kolonien an der Oberfläche, wodurch sie einfach abzutrennen ist – ein Vorteil in kleinen und mittelgroßen Brauereien.

Welche Biere sind obergärig?

Typische obergärige Biersorten sind:

  • Altbier

  • Kölsch

  • Hefeweizen / Weißbier

  • Pale Ale / India Pale Ale (IPA)

  • Porter

  • Stout

  • Berliner Weiße

Diese Biere zeichnen sich durch intensive Aromen, kurze Gärzeiten und oft auch höhere Alkoholgehalte aus.

Vorteile und Herausforderungen

Vorteile

Nachteile

  • Kürzere Gärdauer

  • Intensives, fruchtiges Aroma

  • Keine Kühlung notwendig

  • Vielseitige Bierstile möglich

  • Höheres Risiko mikrobieller Verunreinigungen

  • Geringere Haltbarkeit

  • Weniger geeignet für industrielle Großbrauereien